Dauerhaftes Klimacamp im rheinischen Braunkohlerevier

Werkstatt für Aktionen und Alternativen (WAA) – Aufruf für ein dauerhaftes Klimacamp¶

Inspiriert durch Klimacamps, die an vielen Orten eine radikale Kritik an den strukturellen Ursachen der Klimazerstörung und Herrschaft generell mit sich gebracht haben, wollen wir diese Kritik und Utopie in den Alltag tragen. Wir wollen einen Ort aufbauen, der langfristig offen genutzt werden kann für Aktion, Bildung, Organisation und als Ort für das experimentelle Erlernen eines emanzipatorischen klimaneutralen Lebens, das wir nicht mit Verzicht assoziieren wollen, sondern mit Kreativität.
Als Ort dafür haben wir die Region ausgewählt, die am meisten CO2 in ganz Europa emittiert, das rheinische Braunkohlerevier.

Teil der Lösung oder Teil des Problems?
Es ist eine seltsame Sache mit der Klimaproblematik: Sie ist allseits bekannt, allgemeine Aufklärung zu betreiben ist nicht mehr nötig. Jede_r ist scheinbar auf der Seite jener die das Problem bekämpfen wollen. Und dennoch ist das Einzige was in der realen Welt zu beobachten ist eine rasante Verschärfung der Klimakatastrophe. Dadurch drängt sich der Verdacht auf, dass die Lösung nicht darin liegen kann, dass die so degradierten Konsument_innen die “richtigeren” Waren in ihren Einkaufskorb packen. Wir behaupten, dass das System, innerhalb dessen alles grün sein soll, faul ist.
Dieser Aufruf richtet sich an alle Menschen, die die Lösung nicht alleine in kapitalistischen, herrschaftsförmigen Verhältnissen denken können und auch nicht (mehr) wollen.

Klimacamps
Einen wichtigen Impuls für die radikale Klimabewegung schafften die Klimacamps, die ihren Ausgangsort in Großbrittanien hatten. Direkte Aktionen gegen Klimazerstörung, radikal klimaneutrales Leben auf den Camps, Weiterbildung über die Klimaproblematik und Lösungen, und Vernetzung: Zu gleichen Teilen das bestehende System samt seiner konkreten Auswirkungen angreifen und in den entstehenden Lücken zarte Pflänzchen eines selbstorganisierten, klimaneutralen Lebens pflanzen, auf dass sie zu Wäldern werden. Und bei all dem theoretische Reflektion über den einzuschlagenden Weg haben, nach dem Motto: Fragend schreiten wir voran. Doch nach 5 bis 10 Tagen Klimacamp heißt es jedesmal “zurück zur Realität” anstatt “Realität Verändern”.

Wir wollen perspektivische Strukturen aufbauen. Das Konzept sehen wir dabei nicht in erster Linie als Kritik oder Gegensatz zu temporären Klimacamps, sondern als Ergänzung. An einer möglichst tiefen Kooperation mit den drei deutschsprachigen Klimacamps im Sommer ’11 sind wir interessiert. Deshalb haben wir auch unsere Planungstreffen auf die beiden Camps in Deutschland gelegt.

Warum im rheinischen Braunkohlerevier?
Wie schon erwähnt ist die Region mit seinen 3 Braunkohletagebauen, sowie den 6 Mega-Kraftwerken der größte CO2 Emittent in ganz Europa. Was der Atomenergie das Wendland ist, muss der Klimazerstörung das rheinische Braunkohlerevier werden.

Mit den lokal Betroffenen – ganze Dörfer werden zwangsumgesiedelt – wollen wir solidarisch gegen die Zerstörung zusammenarbeiten. Wir wollen ein Gegenbild darstellen zur kapitalistischen Destruktivität. Hier das Ausprobieren einer klimaneutralen Zukunft, dort drüben die Abrisskante, das Loch, quatratkilometerweise Zerstörung. Entscheiden Sie jetzt! Durch das örtliche Gegenüberstellen wollen wir diese beiden Zukunftsoptionen bildlich verdeutlichen.

Ort für Bildung
Kurse und Seminare sollen dort in einer DIY-Kultur angeboten werden, über konkrete Praktiken des klimaneutralen Lebens, herrschaftsfreie Organisationsmethoden, allerlei Theoretisches und Widerstandsmethoden. Und da wir weder an einheitlichen Konzepte von oben gegen den Klimawandel glauben, noch diese erstrebenswert finden, halten wir eine Debatte von unten darüber wie der Klimaproblematik entgegengewirkt werden kann für notwendig. Eine Debatte, an der alle eingeladen sind sich zu beteiligen, die nicht auf Expert_innenhierarchien setzt, die nicht nach einer Vereinheitlichung strebt, sondern verschiedene Positionen aushalten kann, in der Hoffnung, dass aus der Spannung zwischen ihnen Synthesen erspringen.

Und action?
Das Camp soll als Ausgangsort für vielfältige Aktionen gegen die Zerstörung dienen: symbolische, kreative und direkte. Wichtig ist es uns dabei zusammen mit Menschen aus der Region, sowie temporär oder dauerhaft im Camp anwesenden Aktivist_innen gemeinsam Aktionsweisen zu entwickeln, die eine Selbstermächtigung der einzelnen Menschen zum Ziel haben und Sand im Getriebe sind.

Der Weg bis zum Start des Camps
Wir laden den Sommer über zu 3 offenen Vorbereitungstreffen ein: Das erste Treffen wird im AZ in Köln stattfinden vom 24. bis zum 26. Juni, das zweite auf dem Klimacamp in Manheim vom 26. August bis zum 4. September und das dritte auf dem Klimacamp in der Lausitz vom 7. bis zum 14. August. Das dauerhafte Klimacamp soll dann ab September 2011 aufgebaut werden.

Du bist gefragt!
Wenn du dich von diesem Aufruf angesprochen fühlst gibt es diverse Möglichkeiten wie du dich einbringen kannst:
- Komm zu den offenen Vorbereitungstreffen und bringe deine Ideen und Organisierungstalente ein.
- Melde dich, falls du anderen etwas beibringen möchtest
- Verbreite diesen Aufruf
- Biete deine Fähigkeiten an: Layouten, Texte schreiben, vor Ort Recherchen, …